Derby ohne Gäste? Derby ohne uns!

Gästeausschluss, Preußen-Demo und Gästeliste – viel wurde in den letzten Tagen und Wochen zum bevorstehenden Derby unseres VfL gegen Preußen Münster beschlossen, geschrieben und verkündet. Der Fanclub-Verband von 1998 e.V. (FCV) bezieht nachfolgend Stellung zu den bisherigen Ereignissen und blickt auf den Derbytag.

Intensiv wurden Osnabrücks Fußballfans bereits seit Ende August von der NOZ vorbereitet auf die Dinge, die da kommen. Die Lokalzeitung veröffentlichte eine Reihe von Artikeln, in denen die VfL-Fans ausschließlich schlecht wegkamen. Man war sich nicht zu schade, alte Gerichtsverfahren jetzt erst an die Öffentlichkeit zu bringen und Lappalien mit effektheischenden Überschriften zu verpacken. Und die Kommentatoren Batke und Kraus setzten dem Ganzen die Krone auf.

Dann der Knall – Gästefanverbot.

Aber warum? 114 Verletzte bei den Begegnungen beider Vereine seit 2011, davon allein 75 in Osnabrück. Man möchte meinen bei jedem Spiel herrschte Bürgerkrieg rund um die Stadien. Aber war dem wirklich so? Nein. Vielmehr lassen sich allein die Verletztenzahlen in Osnabrück auf zwei Aktionen zurückführen (Böllerwurf 2011 und missglückter münsteraner Pyrotechnikeinsatz 2014). Dazu kommt der diskussionswürdige Polizeieinsatz im Gästeblock beim letzten Spiel in Münster. Diese drei Vorfälle zusammen –allesamt Einzelverschulden oder nicht eindeutig von Fans ausgehend– hatten schon fast 100 verletzte Menschen zur Folge. Dem gegenüber stehen aber mehr als 120.000 Zuschauer, die die Spiele im Stadion verfolgt haben. Das bedeutet, dass 99,9% der Stadionbesucher unversehrt nach Hause gegangen sind – jedes Schützenfest im Umkreis hat vermutliche eine schlechtere Quote.

Um keine Unklarheit entstehen zu lassen: Jeder verletzte Mensch ist mehr als eine bloße Zahl. Aber wer mit Zahlen hantiert, muss diese auch im Zusammenhang betrachten.

Nach Auffassung des FCV soll beim kommenden Derby von Politik und Polizei ein Präzedenzfall geschaffen werden. Tatsächlich ist es aber der Anfang vom Ende der Fußballfankultur und ein Armutszeugnis der Behörden. Denn Verbote lösen keine Probleme, sie verlagern sie nur. Der FCV verurteilt jede Form der Gewalt! Wir unterstützen aber gleichwohl jede Form des friedlichen Protestes gegen dieses unsinnige Verbot.

Für den Spieltag selbst laufen aktuell noch Gespräche über eine kreative Form des Protestes. Aber soviel sei bereits gesagt: Nur hochwertige und besonders gute Veranstaltungen haben eine Gästeliste. Wer in seinem Wohnzimmer Fußball gucken will, der kommt auch ohne klar und kann trotzdem einen schönen Abend haben.

Fanclub-Verband von 1998 e.V.
im September 2015

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